archaeolysis

 

Stefan Gebhardt und Frederick Vidal

Archäolysis – Experimentalsysteme zwischen Fotografie und Malerei

Die Bildlichkeiten von Fotografie und Malerei mögen zwar – getrennt durch Auratisches oder die Wahl der Mittel – in einem Verhältnis von Nichtverwandtschaft zueinander stehen, dennoch herrscht zwischen ihnen keine ontologische Fremdheit. Ihnen gemeinsam ist ein Bildsein. Ein Bildwerden welches in Malerei und Fotografie mit den je eigenen Möglichkeiten und Materialien realisiert wird. Diese Produktionen von Darstellung und Sichtbarkeit mögen zwar in spezifischer Weise durch die Wahl von Mittel und Medium verfasst sein, doch bleiben sie immer ganz Typen und Tropen von Sichtbarkeit und Aufzeigen. Die Arbeit „Archäolysis“ von Stefan Gebhardt und Frederick Vidal konstruiert eine gemeinsame Sichtbarkeit von Fotografie und Malerei in einem scheinbar hierarchisierten Experimentalsystem. So mag nur diesem ersten Anschein nach, die Sichtbarkeit der Malerei das zu untersuchende Objekt zu sein und die Fotografie die technische Realisation dieses Forschungsbemühen. Dennoch geschieht hier etwas Anderes. Eine Malerei, betrachtet durch eine Fotografie, die ihrerseits durch eine Fotografie betrachtet wird. Man hat es also mit einer Sichtbarkeit zweiter Ordnung zu tun. Es geraten verschiedene Elemente ins Bild. So schiebt sich zum Beispiel ein Raster über die Malerei. Die Spur einer technischen Kontrollinstanz, welche im fotografischen Bild erster Ordnung nicht zur Sichtbarkeit gelangt. Hier wird eine Archäologie simuliert, die etwas Anders sucht als die Rekonstruktion eines Zustandes. Viel mehr findet hier eine Produktion von verstellter Sichtbarkeit statt. Das Sichtbarwerden eines Zugriffs, welcher notwendiger Weise immer auch die Verfremdung oder das Verdecken einer ersten Sichtbarkeit bedeuten muss. Über das Sichtbare der abstrakten Malerei lagert sich, durch ein Hereinziehen der Bedingungen fotografischer Betrachtung in das Sichtbare, ein technischer Schatten. Das Dunkel der Apparatur, ihrer Orientierungshilfen, ihrer Rahmungen. Über die Farben und Lacke, die Mittel der Malerei, schiebt sich die Belichtung der Belichtungsbedingungen. Diese Mittel sind selbst Gesammeltes, Fundstücke mit unklarer Herkunft. Es sind Reste, übriggebliebene Boots und Klavierlacke. Die „Archäolysis“ kann sie weder bergen noch ihren ursprünglichen Ort rekonstruieren, sie kann die Malerei und ihre Mittel nur in anderen Sichtbarkeiten realisieren, dies aber nie ohne sie durch die Bedingungen eines sich selbst thematisierenden Experimentalsystems zu ändern. Das Experimentalsystem der „Archäolysis“ dient der .berführung des Einen ins Andere ohne dass dieses im nun bereits anderem Anderen als immer noch Dasselbe ankommen könnte. So ist diese Archäologie näher an einer Alchemie der Sichtbarkeit als an einer rationalen Methode der Rekonstruktion.